Sängervereinigung Heimatliebe Ilbenstadt feierte 2011
150 Jahre Chorgesang in Niddatal
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 Die Sängervereinigung Heimatliebe begeht das 150-jährige Jubiläum
des Chorgesangs in Ilbenstadt mit mehreren Veranstaltungen.
Auch das Open-Air-Konzert im Klosterpark am Freitag, 17. Juni 2011,
 stand unter dem Motto „150 Jahre Chorgesang.
Schon der Kommers am 27. Mai im Bürgerhaussaal beschäftigte
sich mit der Geschichte der Heimatliebe und ihrer Vorgängervereine.

Als am 12. Januar 1946 Musikfreunde in dem späteren Stammlokal „Zu den drei Hasen“
zur Gründung eines Gesangvereins zusammenkamen,
war klar, daß keiner der drei früher bestehende Vereine
Cäcilia, Germania und Vorwärts für sich noch lebensfähig sein würde.
Der Vorwärts war 1920 gegründet worden, die Germania 1893 und die Cäcilia,
auf die sich die Heimatliebe bei ihren Jubiläen stets bezieht, bereits 1861.

Der Festschrift „90 Jahre Sangeskultur in Ilbenstadt” von 1951 zufolge
wurde fünf Jahre zuvor der Name „Heimatliebe“ gewählt,
weil sich damals noch Einheimische in Kriegsgefangenschaft befanden.
Jeder Spätheimkehrer sei mit einem Lied begrüßt worden.
Schon eine Woche nach der Gründung der Heimatliebe
fand am 19. Januar 1946 die erste Singstunde statt.
Zu den ersten Liedern, die einstudiert wurden,
zählte in der Zeit des Kohlenklauens die „Hymne an das Feuer“.
Von den Wertungssingen 1949 in Bad Nauheim und 1950 in Bad Vilbel
brachte der Chor gute Kritiken mit nach Hause.
Zu Weihnachten traten der Männer und der Kinderchor erstmals gemeinsam auf.

Der Festschrift von 1951 berichtet ebenfalls,
daß die Heimatliebe zum 90jährigen Jubiläum
mit den 60 Sängern des Männerchors antrat
und sie einen Kinderchor mit 50 Aktiven hatte.
Die am Fest beteiligten Vereine
bildeten zur Begrüßung sogenannte „Massenchöre“.
Die Verfasser der Festschrift erblickten in der 90jährigen „Kultur der Sangeskunst“
ein klares Zeichen des Fortschritts.

Der Chorleiter Heinz Marx würdigte zehn Jahre später in der Festschrift
zum 100jährigen Chorgesang zunächst den Idealismus seiner Vorgänger,
die sich bei elenden Straßenverhältnissen und jedem Wetter zu den Proben gequält hätten.
Er selber sah im Fernsehen, dem Kino, der Verm
assung
und dem Existenzkampf die Widersacher des Vereinslebens.

Die Festschrift von 1996 wirft einige neue Lichter auf die 50er Jahre.
Damals sei zwar die Theatergruppe der Heimatliebe erfolgreich aufgetreten.
Doch bei einigen Jahreshauptversammlungen sei es erst in letzter Minute gelungen,
den Untergang des Vereins zu vermeiden.
Und 1952 gar seien „einige Mitglieder aus Gründen der Vereinsordnung und Sauberkeit
ausgeschlossen“ worden.
Bereits 1947 hätten einige Mitglieder aus finanziellen Gründen den Verein verlassen müssen.

Von 1965 bis 1984 wurde in zwei- bis dreijäh-rigen Abständen
an zehn Wertungssingen mit guten Noten teilgenommen.
Während diese Tradition der Teilnahme an Preissingen zum Erliegen gekommen ist,
besteht die 1983 begründete Erfolgsserie der jährlichen Gemeinschaftskonzerte
im Bürgerhaus mit dem Musikzug der Feuerwehr Bönstadt fort.

Außerdem veranstaltet die Heimatliebe ihre Adventskonzerte in der Basilika.
Dabei obliegt die Gesamtleitung Jörg-Alfons Hutter, der So-listen und befreundete Chöre einlädt.
An der Reihe der „Niddataler Liederabende“ nimmt die Heimatliebe regelmäßig teil und war 2007 Gastgeber.
Wie der Heimatliebe-Notenwart Reinhard Schwarz in seiner Festrede beim Kommers am 27. Mai 2011 ausführte,
liegt derzeit noch ein zweites Jubiläum an, da Reinhold Brucker seit 30 Jahren der Heimatliebe vorsteht.

Vor zehn Jahren wurde der Heimatliebe eine Auffrischung zuteil,
als bei dessen Untergang mehrere Aktive des Basilika-Kirchenchors zu ihr stießen.
Anders erging es dem ersten weltlichen Chor in Ilbenstadt, der 1863 gegründeten Cäcilia,
deren Name bereits die Nähe zur Kirche andeutet.
Die Cäcilia nahm zeitweise selber die Funktionen eines Kirchenchors wahr.

Die Festschrift der Cäcilia von 1911 zu ihrem 50jährigen Bestehen enthält einen Überblick über ihre Geschichte.
Über 20 Sangesfreudige aus verschiedenen Berufen seien am 9. Mai 1861 zusammengekommen,
um zur besseren Pflege des Gesangs und des deutschen Volkslieds die Cäcilia zu gründen.
Der tiefere Beweggrund zum Aufkommen von Gesangvereinen sei in dieser Zeit die Vaterlandsliebe gewesen.
Die Spuren der Cäcilia ließen sich bis 1830 zurückverfolgen.

1862 wurden die Statuten von den Mitgliedern unterschrieben.
Die ersten beiden Paragraphen regeln den Vereinszweck, der in der Erhöhung des Gottesdienstes,
der Sittenveredlung und der Erheiterung der Lebenstage besteht.
Dies alles durch frommen Sinn unter Vermeidung anstoßerregender Vergnügungen.
Der wöchentliche Beitrag betrug anfangs 6 Kreuzer.
Als einmaliges Eintrittsgeld wurde ein halber Gulden erhoben.
Der Dirigent arbeitete zunächst ohne Honorar und erhielt lediglich ein Präsent zu Weihnachten.

Das erste Liederbuch hieß „Männerlieder“.
Zunächst wurde mit der Geige in der Schule geübt,
dann wurde der „Schützenhof“ des Inhabers Karl Mahl das Stammlokal.
Über Jahrzehnte hin waren immer Lehrer die Chorleiter.
Bei einer Versetzung gestaltete sich die Suche
nach einem Nachfolger dann manchmal schwierig.

1866 und 1870 zogen mehrere Mitglieder in den Krieg
und in den 80ern war einige Jahre lang kein Dirigent da.
1891 reiste die Cäcilia auf den Niederwald,
bald darauf kam ein gemischter Chor zustande
und sie begann, sich an Preissingen zu beteiligen.
In jenen Jahren konnten neben Barbeträgen Pokale, Trinkhörner
und „Kunstgegenstände“ errungen und ersungen werden.

Beim Goldenen Jubiläum von 1911 wurde den Mitgliedern empfohlen,
es möge „Ansporn sein, in Treue und Einigkeit das deutsche Lied zu pflegen
und es in den Dienst des Wahren, Schönen und Guten zu stellen“.
Das Fest erstreckte sich über drei Tage und umfaßte neben dem Fackelzug und dem Kommers
den Tanz und einen Gesangswettstreit sowie Konzerte und Festzüge an zwei Tagen,
außerdem einen Frühschoppen und ein Feuerwerk.
Am Gesangswettstreit durften Kunst- und Berufssänger nicht mitwirken,
auch war den Dirigenten das Mitsingen streng verboten.
Der Festzug umfasste 38 Nummern, darunter zwei Musikgruppen.

So große Feste sind 100 Jahre später nicht mehr möglich,
doch scheint dem Betrachter,
es könne die Heimatliebe als Nachfolgerin der Cäcilia
noch lange weiter bestehen.
Aktiv sind zwar fast ausschließlich Sänger im Seniorenalter,
doch rücken regelmäßig reife Freunde der Chormusik nach,
die von der Geselligkeit und den Mehrtagesausflügen der Heimatliebe angezogen werden.

(Dr. Udo Dickenberger)

 


Sämtliche Bilder wurden erstellt von
Dr. Udo Dickenberger - Ilbenstadt
 

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Fahne der Sängervereinigung Heimatliebe-Ilbenstadt
 


Mitglieder der Sängervereinigung im Jubiläumsjahr 2011
 

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Die Festdamen im Jahr 1951
 

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Spitze des Festzuges von 1951
 

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Bläsergruppe der Cäcilia Vorwärts
 


Ehrenmitglieder an der Spitze des Festumzuges 1951
 

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Sängervereinigung Heimatliebe-Ilbenstadt unter Leitung ihres Dirigenten Jörg Alfons Hutter beim Festkommers 2011